Maya´s
Pendel
Novembermoor
Volker,
eine Wahrnehmung
Ohne
Dich
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Volker,
eine Wahrnehmung
2002
war ich beruflich in Hamburg. Ich war mit dem Zug bis Hauptbahnhof
gefahren. Jetzt ging es weiter mit der S-Bahn. Ich gehe
zum Bahnsteig. Dort steht ein Mann im dunkelblauen Anzug,
wartend, in der linken Hand einen Aktenkoffer. Ich gehe
weiter in seine Richtung und ... er kommt mir bekannt vor.
Beim
Weitergehen Gewissheit. Ich erkenne ihn. Ein Ex-Profipolitiker,
oberste Kategorie, war Verteidigungsminister. Volker
Rühe steht da
auf dem Bahnsteig.
„Was macht Volker in
meinem Leben, so genau hier?“ denke ich, „Gerade
heute?“ Und warum der eigentlich? Was soll mir
das sagen, bedeutet das was?
„Warum Volker Rühe?
..?“
Ich stelle mich links hinter
ihn, kann ihn gut anschauen, bin nah genug dran, weit
genug entfernt.
Er haut nicht ab, bleibt
da stehen.
Ich jetze mich... und...
Volker
hat tatsächlich
eine Botschaft für mich, wie er da so steht.
„Ja,
ich habe meinen Höhepunkt überschritten“ ist
das Erste.
Zustimmend nicke ich innerlich.
„Bin
müde, unterschwellig gestresst, aber kontrolliert,
rational, Herr meiner Welt.“
„Zweifle“,
raunt es in mir und verklingt gleich wieder.
“Ich
habe ehrlich gearbeitet und tue es noch“.
Oh,
ich sehe es, ein Tor tut sich auf. Ich schließe
die Augen.
„Aber
der ist ein Politiker, da bin ich mir sicher....“
„Ja, sei sicher.“,
beruhigt mich das Raunen. „Atme! Sieh noch einmal
hin.“
Ich sehe hin, lenke meine
Aufmerksamkeit....
Das trifft mich:
„Ich
habe dem Volk gedient, hart gearbeitet.“
„Wahnsinn,
Politiker, Politiker“, .... stammle ich ich innerlich,
bemüht
das Bröckeln von Gewissheiten zu verhindern. „Wie
kann das sein?“
Ich fokussiere ihn....
„Ich
bin ein ehrlich arbeitender Politiker“,
ergänzt der
ganze Volker Rühe da vorn in meinem Leben seine
Botschaft als ob es nichts wäre.
Rückzug!
„Na
gut, Das ist jetzt neu.“
Ich brauche einen Moment,
meine Welt wiederzuerkennen.
Ah, Stille! Stille?
Tunen.
Und
dann.... Alles fügt
sich. Ein wahrlich „trag“-isches Meisterstück.
Volker
Rühe hat hart
gearbeitet, das steht fest. Denn das sagt sein Anzug.
Ein professionell benutzter Anzug im besten Alter. Er
wirkt irgendwie abgearbeitet. Unterschwellige Gebrauchsspuren
und leiseste Abnutzung bezeugen seine Anstrengungen die
Form zu bewahren. Dabei ist er jedoch nicht im geringsten
schäbig. In allen Aspekten seines Seins hat dieser
Anzug meisterliches geleistet und seine Bestimmung erfüllt.
Das forderte das Politikerleben. Jetzt war er über
sich hinausgewachsen.
Dieser Anzug war endlich
eine fantastische Aura von ehrlicher Arbeit geworden.
Was für eine coole Qualität
für einen Politikeranzug. (Diplomatie +20 auf alle
Gespräche, Vertrauenswürdigkeit +10, Rechtschaffenheit
+1 je Level UP ).
Auch
Volker's dunkle Schuhe zeigen rechtschaffende Abnutzung,
nicht alt und nicht im geringsten schäbig. Ihre
fraktalen Kratzer, ihre Faltungen sind ein Symbol für
Standhaftigkeit in den Wogen der Welt.
Und
ja, seinen Aktenkoffer, den mochte Volker. Deutliche
Gebrauchsspuren, immer geliebt und vertraut. Ein Anker
in stürmischen Zeiten, inzwischen
ein Kunstwerk aus Quantengeometrie. Auf welchen Tischen
der schon gelegen hatte? Welche Geheimnisse bewahrte
er? Dieser absolut authentische,
rechtschaffende Ex-Profipolitikeraktenkoffer, Zepter
zugleich, brachte mich endlich drauf.
„Wo
ist Volker? Der im Anzug! Wo ist der Mensch Volker
hinter all dem Schein?“
Es war schockierend, denn...
Volker
Rühe war sein
eigener Anzug.
Einst
wählte er ihn,
gab ihm so Sinn, hauchte ihm Leben ein. Dann ließ er
ihn machen.
Nun
macht der Anzug Volker Rühe.
Weiß Volker,
das er sein Anzug ist?
Gewissheiten
bröckeln.
„Nimm
an was ist!“ höre
ich Volker rufen. „Ich
bin ein anderes Du!“
Ich sehe an mir
herab.
Seit zwei Wochen trage ich
die helle Jeans, dazu immer irgendein Hemd und die gleichen
Schuhe. So wie ich es gern habe. Alles irgendwie professionell
benutzt, dem Leben ausgesetzt.
Bin ich mein Hemd? Meine
Hose?
Anzüge
regieren Hemden und Hosen.
Herrenwickelröcke
werden Staatsminister.
Wahnsinn....!
„Nimm
an, was ist“,
sagt Volker, schaut auf die Uhr.
„Nimm
an, was ist“,
sagt die Welt.
In der Tat.
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